Shakespeare’s Globe

Wer London wirklich kennenlernen möchte, sollte nicht nur von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten hetzen. Manchmal sind es gerade die Orte, an denen man für einen Moment das Gefühl bekommt, mitten in eine andere Zeit zu geraten. Genau so ein Ort ist Shakespeare’s Globe.

Direkt an der Themse, am Bankside-Ufer, steht das berühmte runde Holztheater, das untrennbar mit William Shakespeare und dem London der Elisabethanischen Zeit verbunden ist. Schon beim ersten Blick auf die offene Bühne, die hölzernen Galerien und den großen Innenhof versteht man, warum ein Besuch hier mehr ist als ein gewöhnlicher Museumsbesuch.

Man steht nicht einfach vor einem alten Gebäude. Man steht an einem Ort, an dem Shakespeares Stücke wie „Hamlet“, „Romeo und Julia“, „Macbeth“ oder „Ein Sommernachtstraum“ bis heute auf die Bühne gebracht werden – und zwar in einem Theater, das ganz bewusst die Atmosphäre und die Spielbedingungen der damaligen Zeit aufgreift.

Shakespeare’s Globe liegt an der 21 New Globe Walk im Londoner Stadtteil Bankside, unmittelbar an der Themse. Das heutige Globe Theatre wurde 1997 eröffnet und ist ein nach historischem Vorbild errichtetes Open-Air-Theater.

Und genau das macht den Besuch so besonders.

Shakespeare’s Globe – warum sich der Besuch lohnt

Es gibt in London viele Sehenswürdigkeiten, die man einmal gesehen hat und danach auf der persönlichen Liste abhaken kann. Beim Globe ist das ein wenig anders.

Hier geht es weniger darum, ein Gebäude von außen zu fotografieren und weiterzugehen. Das eigentliche Erlebnis beginnt nämlich erst, wenn man durch die Türen tritt und sich im Inneren des hölzernen Rundtheaters wiederfindet.

Der offene Innenraum, die rundherum angeordneten Zuschauerränge und die Bühne in der Mitte vermitteln sofort einen Eindruck davon, wie Theater vor mehreren Jahrhunderten funktioniert hat. Das Globe Theatre bietet heute Platz für rund 1.570 Zuschauer und ist vollständig als Freilufttheater konzipiert.

Besonders faszinierend ist dabei die Nähe zwischen Schauspielern und Publikum.

Die Bühne ist nicht irgendwo weit entfernt hinter einem Vorhang versteckt. Das Publikum gehört gewissermaßen zum Geschehen dazu. Man sitzt oder steht mitten im Theaterraum und erlebt die Schauspieler aus ungewöhnlicher Nähe.

Wer Shakespeare bisher vor allem mit dicken Schulbüchern, komplizierter Sprache und Literaturunterricht verbunden hat, könnte hier eine kleine Überraschung erleben. Denn im Globe wird schnell deutlich, dass Shakespeare ursprünglich vor allem eines war: Theater.

Seine Stücke wurden für Menschen geschrieben, die gemeinsam lachten, mitfieberten, buhten, jubelten und sich von der Handlung mitreißen ließen.

Und genau dieses Gefühl versucht Shakespeare’s Globe bis heute wieder erlebbar zu machen.

Ein Theater mit einer bewegten Geschichte

Das heutige Globe Theatre sieht zwar historisch aus, ist aber nicht das originale Theater, in dem Shakespeare selbst auf der Bühne stand.

Das ursprüngliche Globe wurde 1599 errichtet. Shakespeare und seine Schauspieltruppe nutzten das Theater für zahlreiche Aufführungen. Doch die Geschichte des ersten Globe war relativ kurz.

1613 kam es während einer Aufführung von „Henry VIII“ zu einem Brand. Ein Requisitenkanon setzte das Strohdach in Brand und innerhalb kurzer Zeit brannte das Theater vollständig nieder. Glücklicherweise kam dabei niemand ums Leben. Bereits ein Jahr später wurde das Globe wieder aufgebaut – diesmal mit einem Ziegeldach. Dieses zweite Globe bestand noch bis 1642, als die Theater in London aufgrund eines Parlamentsbeschlusses geschlossen wurden.

Jahrhundertelang erinnerte in London kaum mehr als eine kleine Gedenktafel an den berühmten Theaterort.

Das änderte sich mit Sam Wanamaker.

Der amerikanische Schauspieler und Regisseur besuchte London 1949 und war enttäuscht darüber, wie wenig an das historische Globe erinnert wurde. Er setzte sich daraufhin über Jahrzehnte dafür ein, ein möglichst authentisches Globe Theatre in London wieder aufzubauen.

1970 gründete er den Shakespeare Globe Trust und begann, seine Vision voranzutreiben. Er erlebte die Eröffnung allerdings nicht mehr selbst: Sam Wanamaker starb 1993. Das heutige Globe Theatre wurde schließlich 1997 eröffnet.

Wenn man diese Geschichte kennt, wirkt das Gebäude plötzlich noch beeindruckender. Denn das Globe ist nicht einfach eine hübsche historische Kulisse am Themseufer. Es ist das Ergebnis einer jahrzehntelangen Idee und einer außergewöhnlichen Leidenschaft für Shakespeare und die Theatergeschichte Londons.

Wie sieht Shakespeare’s Globe von innen aus?

Der erste Eindruck ist wahrscheinlich das große, runde Holzgebäude.

Das Globe wurde nach dem historischen Vorbild eines elisabethanischen Amphitheaters gestaltet. Mehrere überdachte Galerien umgeben den offenen Innenhof. In der Mitte befindet sich die Bühne, die weit in den Zuschauerraum hineinragt.

Und dann ist da noch der Himmel.

Das Globe Theatre besitzt kein geschlossenes Dach über dem Innenhof. Wer hier eine Aufführung besucht, sitzt tatsächlich unter freiem Himmel. Das kann bei Sonnenschein wunderschön sein – bei typisch britischem Wetter allerdings auch eine kleine Herausforderung. Die Vorstellungen finden grundsätzlich bei unterschiedlichen Wetterbedingungen statt.

Genau das gehört aber irgendwie zum Erlebnis.

Stell dir vor, du sitzt am frühen Abend auf einer der Holzgalerien. Über dir färbt sich der Himmel langsam dunkler, rund um dich sitzen Menschen aus aller Welt und vor dir beginnt eine Shakespeare-Aufführung.

Keine moderne Theaterfassade, kein riesiger Bildschirm, keine aufwendige Technik, die sich in den Vordergrund drängt.

Stattdessen Schauspiel, Sprache, Musik und die besondere Atmosphäre dieses Ortes.

Das kann erstaunlich intensiv sein.

Aufführung im Globe oder lieber eine Führung?

Wenn du zum ersten Mal am Shakespeare’s Globe bist, hast du grundsätzlich zwei Möglichkeiten: Du kannst eine Führung machen oder dir direkt eine Vorstellung ansehen.

Noch besser ist natürlich die Kombination aus beidem.

Bei einer Führung bekommst du einen ganz anderen Zugang zum Gebäude. Die Guides erzählen nicht nur etwas über Shakespeare, sondern erklären auch die Architektur, die Geschichte des Theaters und die besonderen Bedingungen, unter denen hier gespielt wird.

Die reguläre Globe Theatre Guided Tour führt durch das Theater und verbindet die Geschichte des Ortes mit Einblicken in die Theaterwelt. Die Führungen dauern ungefähr 50 Minuten und beinhalten auch den Eintritt zur Ausstellung.

Für einen London-Trip würde ich deshalb nicht einfach nur kurz zum Globe spazieren, ein Foto machen und wieder verschwinden.

Nimm dir Zeit.

Eine Führung am Vormittag und anschließend ein Spaziergang entlang der Themse ist beispielsweise eine schöne Kombination. Noch atmosphärischer wird es natürlich, wenn du abends eine Vorstellung besuchst.

Shakespeare live erleben – das ist das eigentliche Highlight

Für mich liegt der größte Reiz des Globe darin, dass es kein stillgelegtes Museum ist.

Hier wird tatsächlich Theater gespielt.

Das Gebäude ist also nicht nur Kulisse, sondern ein lebendiger Spielort. Neben Shakespeare-Stücken stehen auch Werke anderer Renaissance-Autoren, neue Produktionen, Musikveranstaltungen, Familienprogramme und weitere Veranstaltungen auf dem Programm.

Wer Shakespeare einmal auf diese Weise erlebt hat, sieht die Stücke möglicherweise mit anderen Augen.

Denn plötzlich geht es nicht mehr darum, jeden einzelnen Satz perfekt zu verstehen. Es geht um Gestik, Mimik, Emotionen, Konflikte und die Reaktion des Publikums.

Und genau deshalb kann ein Besuch auch für Menschen interessant sein, die normalerweise nicht unbedingt ins Theater gehen.

Stehplatz im Yard – Shakespeare ganz ursprünglich erleben

Eine Besonderheit des Globe ist der sogenannte Yard.

Der zentrale Bereich direkt vor der Bühne ist nicht vollständig überdacht. Hier stehen die Zuschauer während der Aufführung – ähnlich wie es auch beim historischen Theaterpublikum der Fall war.

Das ist eine der günstigeren Möglichkeiten, eine Vorstellung im Globe zu erleben, wobei die Preise je nach Produktion und Termin variieren. Die offiziellen Informationen weisen darauf hin, dass der Yard vollständig ungeschützt ist. Wer dort steht, sollte also unbedingt auf das Wetter vorbereitet sein.

Und ja: Man steht.

Das klingt zunächst vielleicht unbequem. Gleichzeitig ist genau diese Nähe zur Bühne für viele Besucher ein Teil des besonderen Globe-Erlebnisses.

Wenn du allerdings lieber bequem sitzt, gibt es rund um den Innenraum verschiedene Sitzbereiche in den Galerien.

Mein Tipp: Wenn du wetterfest bist und Lust auf ein möglichst unmittelbares Theatererlebnis hast, solltest du den Yard zumindest einmal in Betracht ziehen.

Was tun bei Regen?

London wäre nicht London, wenn man sich beim Besuch eines Open-Air-Theaters nicht zumindest kurz Gedanken über das Wetter machen müsste.

Die gute Nachricht: Eine Vorstellung im Globe fällt nicht einfach wegen ein paar Regentropfen ins Wasser. Das Theater ist auf unterschiedliche Wetterbedingungen eingestellt und Veranstaltungen finden grundsätzlich bei jedem Wetter statt, sofern vom Globe nichts anderes mitgeteilt wird.

Die bessere Nachricht: Regen kann die Atmosphäre sogar noch verstärken.

Die praktische Nachricht lautet allerdings:

Nimm eine Regenjacke mit.

Ein kleiner Regenschirm ist während einer Vorstellung dagegen keine besonders gute Idee, weil du damit anderen Zuschauern die Sicht nehmen würdest. Eine wasserdichte Jacke oder ein Poncho ist wesentlich sinnvoller.

Auch im Sommer solltest du nicht automatisch von warmem Wetter ausgehen. Abends kann es am offenen Themseufer schnell frisch werden.

Wer auf Nummer sicher gehen möchte, kann sich beim Globe unter anderem Sitzkissen, Decken oder Sitzlehnen ausleihen. Auch Regenponchos werden angeboten.

Shakespeare’s Globe Ausstellung – mehr als nur ein Museum

Zum Globe gehört auch eine Ausstellung, die sich mit Shakespeare, dem historischen Theater und der Geschichte des Globe beschäftigt.

Hier bekommt man einen wesentlich besseren Eindruck davon, wie das Theaterleben vor rund 400 Jahren ausgesehen haben könnte.

Die Ausstellung arbeitet mit interaktiven Elementen und historischen Themen. Besucher können unter anderem Kostüme und Requisiten entdecken, sich mit Bühnentechnik beschäftigen und verschiedene Aspekte der Theaterwelt kennenlernen.

Besonders schön ist, dass die Ausstellung nicht nur auf Shakespeare-Kenner ausgerichtet ist.

Auch wer bisher wenig über Shakespeare weiß, kann hier einiges entdecken.

Für Familien ist das ebenfalls interessant, weil es interaktive Angebote und Aktivitäten gibt.

Die Ausstellung ist aktuell täglich von 9:00 bis 17:30 Uhr geöffnet, wobei der letzte Einlass um 17:00 Uhr erfolgt. Da Öffnungszeiten und Sondertermine sich ändern können, sollte man vor dem Besuch noch einmal die offizielle Seite prüfen.

Das Sam Wanamaker Playhouse – ein ganz anderes Theatererlebnis

Direkt neben dem Globe Theatre befindet sich noch ein zweiter Spielort: das Sam Wanamaker Playhouse.

Und der könnte kaum unterschiedlicher sein.

Während das Globe offen und hell wirkt, ist das Sam Wanamaker Playhouse ein geschlossenes, intimes Theater mit Kerzenbeleuchtung. Es wurde 2014 eröffnet und orientiert sich an den historischen Indoor-Theatern, die Shakespeare und seine Zeitgenossen kannten.

Der Saal bietet Platz für rund 340 Besucher.

Das Besondere: Das Theater wird von mehr als 100 Bienenwachskerzen beleuchtet.

Allein diese Vorstellung klingt schon nach einer kleinen Zeitreise.

Wenn draußen London im Dunkeln liegt und man in einem hölzernen Theater sitzt, das nur vom warmen Licht zahlreicher Kerzen erhellt wird, entsteht eine völlig andere Atmosphäre als im offenen Globe.

Das Sam Wanamaker Playhouse ist deshalb eine tolle Ergänzung zu einem Besuch des Globe – besonders in den kälteren Monaten.

Shakespeare’s Globe und Bankside verbinden

Wer ohnehin am Globe ist, sollte nicht direkt wieder zur nächsten Tube-Station laufen.

Die Lage ist nämlich perfekt, um einen Spaziergang entlang der Themse daraus zu machen.

Das Globe liegt im Londoner Stadtteil Bankside, einem Viertel, das historisch eng mit dem Theaterleben Londons verbunden ist.

Von hier aus kannst du wunderbar am Südufer der Themse entlanglaufen.

Die Tate Modern ist nicht weit entfernt. Auch die Millennium Bridge erreichst du zu Fuß, und auf der anderen Seite des Flusses erhebt sich die markante Silhouette der St Paul’s Cathedral.

Gerade diese Kombination macht den Besuch so schön:

erst Shakespeare und das historische London, anschließend ein Spaziergang an der Themse und schließlich der Blick auf das moderne London.

Wer noch tiefer in die Geschichte eintauchen möchte, kann auch eine Shakespeare-Walking-Tour buchen. Diese führt durch Bankside und beschäftigt sich mit dem ursprünglichen Theaterbezirk Londons. Die aktuell angebotene Tour dauert rund 90 Minuten und beinhaltet den Eintritt zur Globe-Ausstellung.

Shakespeare’s Globe gehört auf jeden Fall auf die London-Liste

Shakespeare’s Globe ist einer dieser Orte, die auf Fotos bereits beeindruckend aussehen, in Wirklichkeit aber noch viel mehr Atmosphäre besitzen.

Das runde Holztheater, die offene Bühne, die Galerien, der Blick zum Himmel und die Nähe zum Publikum machen den Besuch außergewöhnlich. Dazu kommen die spannende Geschichte des ursprünglichen Globe, die Ausstellung, die Führungen und natürlich die Möglichkeit, Shakespeare tatsächlich dort zu sehen, wo seine Theatertradition bis heute lebendig gehalten wird.

Und wenn du anschließend aus dem Globe trittst und an der Themse entlangläufst, während langsam die Lichter Londons angehen, ist das wahrscheinlich einer dieser kleinen London-Momente, an die man sich später noch gerne erinnert.

Wer London liebt, sollte Shakespeare’s Globe deshalb nicht nur als Sehenswürdigkeit betrachten.

Pack eine Regenjacke ein, reserviere dir ein bisschen Zeit und lass dich auf eine Reise ins London Shakespeares ein. Es lohnt sich, hinter die berühmte Fassade zu schauen.

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