Londons mögliche Touristensteuer: Was Reisende wissen sollten – und warum die Stadt trotzdem unwiderstehlich bleibt

Die Diskussion ist in vollem Gange: London könnte bald eine Touristensteuer bekommen. Am 25. November 2025, hat Schatzkanzlerin Rachel Reeves einen wichtigen Schritt gemacht und angekündigt, Bürgermeistern im Rahmen des English Devolution and Community Empowerment Bill die rechtliche Befugnis zu geben, eine Übernachtungssteuer einzuführen. Londons Bürgermeister Sir Sadiq Khan – seit 2016 im Amt und im Mai 2024 für eine historische dritte Amtszeit wiedergewählt – zeigt großes Interesse an dieser Möglichkeit. Ob und wann er sie tatsächlich nutzen wird, steht aber noch nicht fest.

Was bedeutet das für eure Reisepläne? Solltet ihr jetzt schnell noch buchen, bevor es teurer wird? Oder ist die ganze Aufregung übertrieben? Lasst mich euch durch den Dschungel der Informationen führen und zeigen, warum London auch mit möglicher Steuer eines der aufregendsten Reiseziele der Welt bleibt.

Was ist gerade passiert?

Die britische Regierung hat die rechtliche Möglichkeit geschaffen – mehr nicht. Das ist ein wichtiger Unterschied! England war bisher das einzige G7-Land, das lokalen Behörden eine solche Abgabe nicht erlaubte, während Schottland und Wales bereits entsprechende Befugnisse hatten.

Der aktuelle Stand (25. November 2025):

  • Kanzlerin Rachel Reeves hat gestern angekündigt, die rechtliche Befugnis zu schaffen
  • Der English Devolution Bill, der derzeit durch das Parlament geht, soll Bürgermeistern diese Möglichkeit geben
  • Sir Sadiq Khan, Londons Bürgermeister seit 2016 und gerade für eine dritte Amtszeit wiedergewählt, hat sich wiederholt für eine solche Steuer ausgesprochen
  • Konkrete Beschlüsse über die Einführung oder Details gibt es noch nicht
  • Eine mögliche Einführung wird frühestens für 2026/27 diskutiert
  • Die Steuer würde Hotels, B&Bs, Gästehäuser und Airbnbs betreffen

Sir Sadiq Khan hat sich in der Vergangenheit klar für eine solche Abgabe ausgesprochen. Der 54-jährige Labour-Politiker, der seit 2016 im Amt ist und im Mai 2024 als erster Bürgermeister überhaupt eine dritte Amtszeit gewann, argumentiert, dass andere europäische Hauptstädte erfolgreich mit diesem Modell arbeiten. Er betont, dass Besucher bereit seien, einen kleinen Betrag zu zahlen, wenn das Geld in die Verbesserung der touristischen Infrastruktur fließt.

Was könnte auf Reisende zukommen?

Obwohl noch nichts entschieden ist, können wir aus Diskussionen und internationalen Beispielen Rückschlüsse ziehen. Zwei Modelle stehen im Raum:

Option 1: Prozentuale Abgabe Ein Aufschlag von etwa 5 Prozent auf den Übernachtungspreis würde bei einem 200-Pfund-Zimmer 10 Pfund zusätzlich bedeuten. Schätzungen zufolge könnte dies jährlich rund 240 Millionen Pfund einbringen – Geld, das theoretisch in die Stadt zurückfließen würde.

Option 2: Pauschalgebühr pro Nacht Ein oder zwei Pfund pro Nacht, unabhängig vom Zimmerpreis. Dieses Modell wäre transparenter und würde Budget-Reisende weniger belasten. Bei diesem Modell werden etwa 91 Millionen Pfund jährlich prognostiziert.

Zum Vergleich: Barcelona verlangt in Fünf-Sterne-Hotels bereits 15 Euro plus Mehrwertsteuer pro Nacht, Venedig hat seine Tagesbesucher-Gebühr 2025 von 5 auf 10 Euro verdoppelt, und Paris kassiert in Luxushotels bis zu 16 Euro pro Nacht. Selbst wenn London eine Steuer einführt, würde sie voraussichtlich deutlich moderater ausfallen.

Edinburgh und Glasgow: Das schottische Experiment

Schottland zeigt, wie es konkret aussehen könnte. Edinburgh führt ab Juli 2026 als erste britische Stadt eine 5-Prozent-Steuer ein – allerdings nur für die ersten fünf Nächte eines Aufenthalts. Glasgow folgt im Januar 2027 mit einem ähnlichen Modell, das schätzungsweise 16 Millionen Pfund jährlich einbringen soll.

Die schottische Herangehensweise ist durchdacht: Die Obergrenze von fünf Nächten verhindert, dass Langzeitbesucher überproportional belastet werden. Studien zu vergleichbaren Städten zeigen, dass solche Abgaben keinen signifikanten Einfluss auf die Besucherzahlen haben – die Attraktivität einer Destination hängt von so viel mehr ab als von ein paar Pfund Aufschlag.

Wohin würde das Geld fließen?

Hier wird es spannend! Sadiq Khan hat wiederholt betont, dass die Einnahmen zweckgebunden für touristische Infrastruktur verwendet werden sollten. Das könnte umfassen:

  • Sauberere Straßen in beliebten Touristenvierteln wie Covent Garden oder South Bank
  • Verbesserte öffentliche Verkehrsanbindungen zu Sehenswürdigkeiten
  • Erhalt und Restaurierung historischer Gebäude
  • Bessere mehrsprachige Beschilderung und digitale Informationssysteme
  • Unterstützung für kulturelle Events, Festivals und kostenlose Attraktionen
  • Nachhaltigkeitsinitiativen und grüne Projekte

Westminster Council, dessen Bezirk täglich über eine Million Menschen beherbergt, aber nur 200.000 Einwohner hat, unterstützt die Idee. Councilor Adam Hug argumentiert, dass es fair wäre, wenn Besucher einen Beitrag zu den Dienstleistungen leisten, von denen sie profitieren – bisher tragen lokale Steuerzahler die Hauptlast.

Die Kontroverse: Zwei Seiten der Medaille

Die Gastgewerbebranche schlägt Alarm. UKHospitality, der Branchenverband, warnt vor möglichen negativen Auswirkungen. Kate Nicholls, die Verbandschefin, argumentiert, dass die Steuer nicht nur ausländische Touristen treffen würde, sondern auch Briten, die geschäftlich oder privat nach London reisen.

Ihre Hauptsorge: In Kombination mit der bereits hohen Mehrwertsteuer von 20 Prozent könnte ein zusätzlicher Aufschlag von 5 Prozent eine Gesamtbelastung von effektiv 27 Prozent bedeuten. Bei Londons ohnehin hohen Hotelpreisen könnte dies preissensible Reisende abschrecken.

Doch es gibt auch Gegenstimmen. Andrew Carter vom Think Tank Centre for Cities widerspricht dieser Befürchtung. Seine Studien zeigen: Bei starker Nachfrage – und die hat London definitiv mit 89 Millionen Übernachtungen im Jahr 2024 – sind Besucher weniger preissensitiv gegenüber moderaten Abgaben. Toronto hat seine Rate sogar vor der Fußball-WM 2026 erhöht, ohne dass die Buchungen einbrachen.

Die Wahrheit liegt vermutlich irgendwo dazwischen: Eine moderate Steuer wird London-Liebhaber nicht abschrecken, aber die Details der Umsetzung werden entscheidend sein.

Der Brexit-Faktor und steigende Einreisekosten

Parallel zur Diskussion um die Touristensteuer gibt es eine weitere Entwicklung: Ab dem 9. April 2025 steigen die Kosten für die Electronic Travel Authorization (ETA) von 10 auf 16 Pfund. Diese Genehmigung benötigen viele Nicht-EU-Bürger für die Einreise ins Vereinigte Königreich – im Vergleich dazu wird das kommende EU-ETIAS-System nur 7 Euro kosten.

Die Industrie kritisiert diese Erhöhung scharf und befürchtet, dass das UK im internationalen Wettbewerb an Attraktivität verliert. Doch seien wir realistisch: 16 Pfund für eine mehrjährige Reisegenehmigung sind im Gesamtkontext einer London-Reise überschaubar – besonders wenn ihr ohnehin mehrere hundert Pfund für Flüge und Unterkunft budgetiert.

Praktische Tipps für eure Reiseplanung

Auch wenn noch nichts beschlossen ist, schadet kluge Vorausplanung nie. Hier sind meine Empfehlungen:

Beobachtet die Entwicklungen: Folgt den Nachrichten zu Sadiq Khans Ankündigungen. Wenn eine Steuer kommt, wird es Übergangsfristen geben – wie in Edinburgh, wo vor dem Stichtag gebuchte und bezahlte Aufenthalte von der Steuer ausgenommen sind.

Bucht flexibel: Viele Hotels und Plattformen bieten kostenlose Stornierungen an. So könnt ihr jetzt attraktive Preise sichern und später entscheiden, ob ihr die Buchung behaltet oder anpasst.

Kalkuliert realistisch: Selbst wenn eine 5-Prozent-Steuer kommt: Bei einem dreitägigen Aufenthalt in einem 150-Pfund-Hotel wären das 22,50 Pfund zusätzlich – weniger als ein Musicalticket oder eine Themse-Bootstour. Plant mit einem kleinen Puffer.

Nutzt kostenlose Attraktionen: London bietet unzählige kostenlose Erlebnisse, die weitaus mehr Geld einsparen als eine mögliche Touristensteuer kostet. Das British Museum, die National Gallery, die Tate Modern, das Natural History Museum – alles gratis!

Vergleicht die Gesamtkosten: Schaut nicht nur auf den Zimmerpreis. Ein Hotel in Zone 2 oder 3 mit guter U-Bahn-Anbindung kann trotz möglicher Steuer günstiger sein als eine zentrale Luxusunterkunft.

Erwägt längere Aufenthalte: Wenn London eine Obergrenze wie Edinburgh einführt (dort gilt die Steuer nur für fünf Nächte), wird ein längerer Aufenthalt proportional günstiger. Perfekt, um die Stadt wirklich zu entdecken!

Seht es positiv: Sollte die Steuer kommen und das Geld tatsächlich in die Infrastruktur fließen, profitiert ihr direkt: sauberere Straßen, bessere Verkehrsanbindungen, gepflegte Parks. Euer Beitrag macht die Stadt schöner!

Warum London trotz allem unwiderstehlich ist

Jetzt zum Wichtigsten: Warum London mit oder ohne Touristensteuer auf eurer Bucket List stehen sollte!

Die Kultur ist unbezahlbar: Das British Museum allein würde Tage füllen – und der Eintritt ist frei! Die Rosetta Stone, ägyptische Mumien, griechische Skulpturen – Jahrtausende Menschheitsgeschichte, ohne einen Penny zu zahlen. Die National Gallery, Tate Modern, Natural History Museum, Victoria & Albert Museum – das sind Weltklasse-Sammlungen, die anderswo Hunderte kosten würden.

Die Vielfalt ist einzigartig: Wo sonst könnt ihr morgens in einem georgianischen Townhouse frühstücken, mittags durch Chinatown schlendern, bei Brick Lane authentisches indisches Curry essen, im Hyde Park entspannen und abends ein West End Musical sehen? London ist ein lebendiges Mosaik aus 300 Sprachen und Kulturen.

Die Geschichte ist zum Greifen nah: Der Tower of London, wo Anne Boleyn enthauptet wurde. Westminster Abbey, wo Könige gekrönt werden. Die Houses of Parliament mit Big Ben. Shakespeare’s Globe Theatre. Das sind keine Museumsexponate, sondern lebendige Schauplätze, wo Geschichte passierte – und noch immer passiert.

Die Parks sind städtische Oasen: Hyde Park mit der Serpentine, wo ihr Tretboot fahren könnt. Regent’s Park mit seinen Rosengärten. Richmond Park, wo Hunderte Hirsche frei herumlaufen. Hampstead Heath mit atemberaubendem Panorama über die Stadt. London ist überraschend grün.

Die Märkte sind ein Fest für die Sinne: Borough Market – Street Food auf höchstem Niveau, von spanischen Churros über türkische Börek bis zu britischen Pies. Camden Market – Vintage-Shopping, Live-Musik und alternative Kultur. Portobello Road – Antiquitäten, bunte Häuserfassaden und Notting-Hill-Flair. Die meisten kosten keinen Eintritt.

Die Skyline verbindet Alt und Neu: The Shard ragt 310 Meter in den Himmel, daneben steht der mittelalterliche Tower. Die Walkie-Talkie-Building mit ihrem Sky Garden (kostenlos mit Voranmeldung!) bietet 360-Grad-Blicke. Die moderne Architektur ergänzt die historische – das ist Kontrast, der funktioniert.

Die Musik- und Theaterszene ist legendär: Von intimen Jazz-Clubs in Ronnie Scott’s über die Royal Albert Hall bis zu Camden’s Indie-Venues – London atmet Musik. Das West End bietet Broadway-Qualität, oft zu günstigeren Preisen. Last-minute-Tickets am Leicester Square kosten manchmal nur 20-30 Pfund!

Die Themse erzählt Geschichten: Ein Spaziergang entlang des South Bank ist kostenlos und spektakulär. Straßenkünstler, Buchhändler unter Brücken, das London Eye, die Tate Modern, Shakespeare’s Globe, Borough Market – alles auf einem Weg. Bei Sonnenuntergang ist die Aussicht von der Tower Bridge magisch.

Insidertipps, die Geld sparen

Oyster Card statt Einzeltickets: Die aufladbare Karte oder kontaktloses Bezahlen sparen bis zu 50 Prozent gegenüber Einzeltickets. Und es gibt ein tägliches Cap – mehr als einen bestimmten Betrag zahlt ihr nie!

Lunchtime-Deals nutzen: Viele Restaurants bieten mittags dieselbe Qualität zu halben Preisen. Pret a Manger, Itsu, Wasabi – gesundes Fast Food für 5-8 Pfund statt 15 Pfund abends.

Freie Museen intensiv nutzen: Plant ganze Tage im British Museum oder der National Gallery ein. Mit Picknick im Park dazwischen habt ihr einen fantastischen, nahezu kostenlosen Tag.

Stadtviertel abseits des Zentrums entdecken: Shoreditch, Peckham, Greenwich – hier ist London authentischer und günstiger. Und die U-Bahn bringt euch in 20 Minuten überallhin.

Mittwoch ist Markttag in Notting Hill: Dann ist Portobello Road am lebendigsten – und ihr könnt die berühmten bunten Häuser fotografieren, ohne Eintritt zu zahlen!

Mein persönliches Fazit

Als jemand, der London immer wieder besucht und jedes Mal Neues entdeckt, kann ich euch eines sagen: Eine mögliche Touristensteuer von ein paar Pfund wird diese Stadt nicht weniger magisch machen. Punkt.

Ihr zahlt diese Abgaben bereits in Paris, Barcelona, Amsterdam, Rom, New York und Dutzenden anderen Weltstädten – hat euch das vom Besuch abgehalten? Vermutlich nicht, weil diese Orte mehr bieten als nur günstige Betten. Sie bieten Erlebnisse, die unbezahlbar sind.

London ist eine Stadt voller Widersprüche, die alle funktionieren: traditionell und trendy, historisch und hochmodern, königlich und rebellisch. Hier könnt ihr morgens mit der Queen (symbolisch) Tee trinken und abends in einem Underground-Club tanzen. Hier verneigt sich die Welt vor Shakespeare, und Straßenkünstler erfinden die Kunst neu.

Die mögliche Touristensteuer ist eine Fußnote in der Geschichte dieser Stadt. Was zählt, sind die Erinnerungen, die ihr mit nach Hause nehmt: der erste Blick auf Big Ben, das Gefühl in Westminster Abbey, der Geschmack von Fish & Chips am Regent’s Canal, die Energie in Camden, die Ruhe in Kew Gardens.

Sollte die Steuer kommen und das Geld tatsächlich in bessere Infrastruktur fließen, könnte euer nächster London-Besuch sogar noch schöner werden. Sauberere U-Bahnen, gepflegtere Parks, bessere Beschilderung – das wäre ein Investment in die Zukunft dieser großartigen Stadt.

Also: Lasst euch nicht von Spekulationen abschrecken. Beobachtet die Entwicklungen, plant klug, aber vor allem – kommt nach London. Die Stadt wartet auf euch, mit all ihren Geschichten, Kulturen, Kuriositäten und Kreativen. Mit oder ohne Touristensteuer bleibt sie eines der aufregendsten Reiseziele der Welt.

Aktueller Stand (25. November 2025): Kanzlerin Rachel Reeves hat gestern die rechtliche Grundlage angekündigt, konkrete Beschlüsse zur Einführung stehen noch aus. Wir halten euch auf dem Laufenden. Bis dahin: See you in London 🇬🇧

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