10 Orte in London, die kaum Touristen kennen

Echte Geheimtipps abseits der Massen

London hat Big Ben, den Buckingham Palace, den Tower und die Tower Bridge. Aber was, wenn du die britische Hauptstadt einmal von ihrer anderen Seite kennenlernen möchtest?

Dann lass die üblichen Sehenswürdigkeiten für einen Moment hinter dir.

Denn zwischen roten Doppeldeckerbussen, überfüllten Einkaufsstraßen und langen Schlangen verstecken sich Orte, an denen London plötzlich ganz anders wirkt: ruhige Gärten hinter alten Mauern, verwunschene Kirchenruinen, ein tropischer Garten mitten im Beton, ein Friedhof mit einer bewegenden Geschichte und sogar ein Palast, in dem Mittelalter und Art déco aufeinandertreffen.

Ich zeige dir 10 Orte in London, die viele Touristen übersehen und die gerade deshalb so besonders sind.


St Dunstan in the East – Londons märchenhafte Kirchenruine

    Mitten in der City of London steht eine Kirchenruine, die aussieht, als wäre sie direkt aus einem Fantasyfilm gefallen. Zwischen den modernen Bürogebäuden von Tower Hill und Monument ragen alte Steinmauern in den Himmel, Efeu wächst über die gotischen Bögen, Bäume stehen dort, wo früher einmal ein Kirchenschiff war, und durch die alten Fensteröffnungen fällt das Licht auf einen kleinen, überraschend ruhigen Garten. Willkommen bei St Dunstan in the East.

    Die Geschichte dieses Ortes reicht bis ins Mittelalter zurück. Die Kirche wurde bereits um 1100 errichtet, durch den Großen Brand von London 1666 schwer beschädigt und später unter anderem von Christopher Wren erneuert. Im Zweiten Weltkrieg wurde sie während des Blitzes erneut schwer getroffen, und statt sie anschließend wieder aufzubauen, verwandelte die City of London die Ruinen in einen öffentlichen Garten, der 1970 eröffnet wurde. Genau das macht den Ort so außergewöhnlich: Man steht hier nicht einfach vor einer alten Kirche, sondern in einem Stück Londoner Geschichte, das von der Natur langsam zurückerobert wurde.

    Mein Tipp: Komm möglichst früh am Morgen, dann ist die Stimmung besonders ruhig und das Licht fällt wunderschön durch die Ruinen. Wenn du ohnehin in der Gegend bist, kombiniere den Besuch mit Tower Bridge, Tower of London und Leadenhall Market, so lässt sich ein klassischer London-Tag mit einem echten Geheimtipp verbinden.

    Praktisch: Die nächste Tube-Station ist Monument oder Tower Hill.

    Perfekt für: Fotografen, Geschichtsfans, ruhige Momente und alle, die ungewöhnliche London-Fotomotive suchen.


    Postman’s Park – ein kleiner Park mit einer großen Geschichte

      Nur wenige Minuten von der gewaltigen St Paul’s Cathedral entfernt liegt ein kleiner Park, den viele Besucher einfach übersehen – und das ist schade, denn Postman’s Park erzählt eine der berührendsten Geschichten Londons. Der Name geht auf die Postangestellten zurück, die den Garten früher gerne für ihre Mittagspause nutzten. Heute befindet sich hier das sogenannte Watts Memorial, eine Reihe von Gedenktafeln, die Menschen ehren, die beim Versuch starben, andere zu retten.

      Das Besondere daran: Auf den Tafeln stehen keine berühmten Politiker, Könige oder Generäle, sondern ganz normale Menschen, die im entscheidenden Moment Mut bewiesen haben. Genau dadurch bekommt der Ort eine ganz besondere Atmosphäre. Während draußen die City pulsiert und Geschäftsleute mit schnellen Schritten durch die Straßen laufen, sitzt man hier auf einer Bank und liest Geschichten von Menschen, deren Namen sonst längst vergessen wären. Der Park wurde übrigens auch durch den Film „Closer“ mit Jude Law einem größeren Publikum bekannt.


      Crossbones Graveyard – Londons geheimnisvollster Erinnerungsort

        Wer wirklich einen ungewöhnlichen Ort sucht, sollte nach Redcross Way in Southwark gehen. Hinter einem schmiedeeisernen Tor befindet sich Crossbones Graveyard, ein ehemaliger Friedhof, der heute als Garden of Remembrance an die Menschen erinnert, die hier einst begraben wurden. Das ehemalige Gräberfeld diente über lange Zeit als Begräbnisstätte für Menschen, die gesellschaftlich am Rand standen. Heute wird der Ort von Freiwilligen gepflegt und als Erinnerungs- und Gemeinschaftsort erhalten.

        Wichtig zu wissen: Crossbones ist kein gewöhnlicher Park und keine klassische Sehenswürdigkeit, und die Öffnungszeiten hängen teilweise von freiwilligen Helfern ab. Aktuelle Angaben nennen reguläre Öffnungen an bestimmten Wochentagen rund um die Mittagszeit; die Betreiber empfehlen, vor dem Besuch zu prüfen, ob der Garten tatsächlich geöffnet ist.


        Barbican Conservatory – ein tropischer Dschungel im Beton

          Das Barbican ist bekannt für seine brutalistische Architektur: Beton, Türme, gerade Linien – nicht unbedingt das Erste, woran man bei einem tropischen Garten denkt. Genau deshalb ist das Barbican Conservatory so überraschend. Hinter den massiven Betonmauern des Barbican versteckt sich eine riesige grüne Oase mit exotischen Pflanzen, Wasserflächen und tropischer Atmosphäre. Man geht durch die Architektur des Barbican, und plötzlich öffnet sich eine völlig andere Welt.

          Das Conservatory beherbergt tausende Pflanzen und gehört zu den ungewöhnlichsten grünen Rückzugsorten Londons. Der Besuch ist zudem kostenlos, allerdings ist das Gewächshaus nur an bestimmten Tagen geöffnet, und für die öffentlichen Besuchstermine werden Zeitfenster vergeben. Die Öffnungstage sind begrenzt, die Tickets werden online veröffentlicht, und ein Teil der Tagestickets wird jeweils ab 9:30 Uhr am Öffnungstag freigegeben. Wer einen Besuch plant, sollte daher vorher auf der offiziellen Seite nach den aktuellen Terminen schauen.

          Perfekt für: Regentage, Architektur-Fans, Pflanzenliebhaber und ungewöhnliche London-Fotos.


          Little Venice – Londons ruhige Seite am Wasser

            London und Kanäle klingt zunächst nicht besonders spektakulär, bis man Little Venice sieht. Hier treffen sich Regent’s Canal und Grand Union Canal, Hausboote liegen am Wasser, kleine Cafés säumen die Wege, und statt Verkehrslärm hört man das Wasser und die Stimmen der Spaziergänger. Little Venice ist zwar längst kein Geheimtipp mehr, wird aber von vielen klassischen London-Touristen trotzdem ausgelassen; Visit London führt den Ort weiterhin als einen der weniger offensichtlichen der Stadt. Besonders schön ist der Spaziergang entlang des Kanals Richtung Camden.



            Chelsea Physic Garden – ein Garten mit 350 Jahren Geschichte

              Mitten in Chelsea, nur wenige Minuten von der Themse entfernt, liegt ein Ort, den man eher in einem englischen Landhaus als in einer Millionenstadt erwarten würde. Der Chelsea Physic Garden wurde 1673 gegründet und gilt als Londons ältester botanischer Garten. Auf rund dreieinhalb Acres wachsen dort tausende Pflanzen, darunter Heil-, Nutz- und historische Pflanzen. Spannend ist dabei nicht nur die Pflanzenwelt selbst, sondern die Geschichte, wie Pflanzen Wissenschaft, Medizin, Handel und das tägliche Leben beeinflusst haben. Es gibt Gewächshäuser, Kräutergärten, seltene Pflanzen, einen der ältesten Steingärten Europas und einen beeindruckenden alten Olivenbaum.


              Dennis Severs‘ House – eine Zeitreise ohne Zeitmaschine

                In Spitalfields steht ein Haus, das kein gewöhnliches Museum ist, sondern sich vielmehr so anfühlt, als hätten seine Bewohner gerade eben das Zimmer verlassen: Dennis Severs‘ House. Der Künstler Dennis Severs verwandelte das historische Haus in eine Art begehbare Zeitreise, in der die Räume das Leben einer imaginären Hugenottenfamilie über mehrere Generationen hinweg erzählen. Man findet gedeckte Tische, Kleidung, Möbel, Gegenstände und Spuren eines scheinbar ganz normalen Alltags, nichts wirkt wie eine sterile Museumsvitrine, sondern bewohnt, als könnte jeden Moment jemand durch die Tür kommen. Visit London beschreibt das Erlebnis als eine besonders atmosphärische und ungewöhnliche London-Erfahrung.


                Horniman Museum & Gardens – London mit Aussicht

                  Für diesen Ort muss man sich etwas weiter aus dem Zentrum wagen, aber genau das ist der Punkt. Im Süden Londons, in Forest Hill, liegt das Horniman Museum and Gardens, ein Ort, der Museum, Natur und spektakuläre Aussicht miteinander verbindet. Die 16 Hektar großen Gärten bieten nicht nur Wiesen und Pflanzen, sondern auch einen weiten Blick über London, während sich das Museum selbst unter anderem der Anthropologie, Naturgeschichte und Musikinstrumenten widmet. Besonders schön ist die Kombination: Erst durch die Ausstellungen gehen, dann durch die Gärten schlendern und sich anschließend einfach auf eine Wiese setzen. London fühlt sich hier plötzlich erstaunlich weit weg an.

                  Praktischer Tipp: Die Gärten sind kostenlos zugänglich. Aktuell öffnen sie täglich ab morgens und bleiben bis zum Abend geöffnet, das Museum ist ebenfalls täglich geöffnet. Für einige Attraktionen wie Aquarium oder Butterfly House werden zusätzliche Tickets benötigt. Da 2026 an neuen Gartenbereichen gearbeitet wird, lohnt es sich, vor dem Besuch kurz zu prüfen, ob einzelne Bereiche geschlossen sind. Am besten plant man mindestens einen halben Tag ein und verbindet den Besuch mit einem Spaziergang durch Forest Hill.


                  Eltham Palace – der vielleicht verrückteste Palast Londons

                    Ein mittelalterlicher Palast, in dem man plötzlich in einem luxuriösen Art-déco-Haus aus den 1930er-Jahren steht – genau das ist Eltham Palace. Der Ort gehört zu den faszinierendsten historischen Sehenswürdigkeiten Londons, weil hier zwei völlig unterschiedliche Welten direkt nebeneinanderstehen. Auf der einen Seite befindet sich die mittelalterliche Great Hall, in der einst der junge Heinrich VIII. Zeit verbrachte, auf der anderen Seite liegt das glamouröse Art-déco-Haus des Ehepaars Stephen und Virginia Courtauld. Und dann ist da noch Virginia Courtaulds Badezimmer, das mit goldfarbenen Details ausgestattet ist und zu den spektakulärsten Innenräumen des Hauses gehört – ein bisschen absurd, ein bisschen luxuriös und absolut sehenswert.

                    Warum kennen so wenige diesen Ort? Weil die meisten Besucher im Zentrum Londons bleiben. Eltham liegt deutlich weiter draußen, und genau deshalb fühlt sich der Besuch eher wie ein kleiner Ausflug an als wie ein weiterer Programmpunkt auf einer klassischen London-Sightseeingliste.

                    Praktisch: Eltham Palace ist aktuell täglich geöffnet, in der Regel von 10 bis 17 Uhr. Eine frühzeitige Online-Buchung kann günstiger sein. Derzeit ist allerdings der Aufzug außer Betrieb, sodass die oberen Etagen nur über Treppen erreichbar sind. Am besten nimmt man sich mindestens 2–3 Stunden Zeit – und wer historische Gebäude liebt, findet hier einen echten Volltreffer.

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                    Daunt Books – der schönste Buchladen für London-Reisende

                      Zum Schluss ein Geheimtipp, der kaum etwas kostet und trotzdem zu den schönsten London-Erlebnissen gehört: Daunt Books in Marylebone. Von außen sieht der Buchladen zunächst relativ unspektakulär aus, doch sobald man hineingeht, steht man in einem wunderschönen edwardianischen Interieur mit hohen Holzregalen, Galerien und langen Reihen von Büchern.

                      Besonders berühmt ist Daunt Books für seine Reiseabteilung, in der die Bücher nicht einfach nur alphabetisch sortiert, sondern nach Ländern und Regionen angeordnet sind. Man schaut nach Japan, dann nach Italien, weiter nach Indien, und irgendwann findet man sich mit einem Reiseführer in der Hand wieder und fragt sich, warum man eigentlich überhaupt noch nach Hause fahren möchte. Visit London zählt die Marylebone-Filiale zu den besonderen, weniger offensichtlichen Shopping- und Kulturtipps Londons.


                      London beginnt dort, wo der Reiseführer aufhört

                      Das Schönste an London ist vielleicht, dass man selbst nach zehn Besuchen noch neue Ecken entdeckt. Morgens zwischen den Ruinen von St Dunstan stehen, mittags die bewegenden Geschichten im Postman’s Park lesen, nachmittags durch einen tropischen Garten mitten im Barbican spazieren und am nächsten Tag in Eltham plötzlich zwischen einem mittelalterlichen Palast und Art-déco-Luxus stehen, genau dafür lohnt sich London.

                      Die Stadt besteht nicht nur aus Big Ben, Buckingham Palace und Tower Bridge, sondern aus kleinen Geschichten, versteckten Gärten, alten Mauern, Buchläden, Kanälen, Friedhöfen und überraschenden Innenhöfen. Und manchmal sind genau diese Orte die Erinnerungen, von denen man nach einer Reise am liebsten erzählt.

                      Also: bequeme Schuhe einpacken, Oyster Card oder Travelcard aufladen und losgehen. Denn eines ist sicher: Das beste London versteckt sich oft nur eine Seitenstraße vom offensichtlichen London entfernt.

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