Alles, was du für deine Reise wissen musst
Du stehst frisch gelandet am Flughafen oder am Bahnhof in London, vor dir liegt eine Stadt mit unzähligen U-Bahn-Linien, roten Doppeldeckerbussen, Überlandzügen und der Themse mittendrin, und die erste Frage, die sich stellt, lautet fast immer: Wie komme ich hier eigentlich am besten von A nach B? Die Antwort vieler Reiseführer heißt seit Jahrzehnten Travelcard, und tatsächlich ist sie für viele Besucher noch immer eine bequeme Lösung. Ob sie aber wirklich die beste Wahl für dich ist, hängt stark davon ab, wie lange du bleibst und wie du London erkunden möchtest. Hier erfährst du, was die Travelcard genau ist, was sie kostet, wo du sie bekommst und wann sich eine Alternative mehr lohnt.
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Was ist die London Travelcard überhaupt?
Die Travelcard ist ein Ticket, mit dem du innerhalb bestimmter Zonen unbegrenzt viele Fahrten machen kannst, egal ob mit der U-Bahn, den Überlandzügen, dem London Overground, der Elizabeth Line, der Docklands Light Railway oder den Bussen. Du kaufst sie einmal für einen bestimmten Zeitraum und musst dich danach um nichts mehr kümmern: kein Ticket lösen vor jeder Fahrt, kein Rechnen, einfach einsteigen und losfahren. London ist dafür in mehrere Tarifzonen eingeteilt, wobei Zone 1 das Zentrum rund um Big Ben, Westminster und die City abdeckt und die Zonennummern nach außen hin steigen. Die meisten Touristen kommen mit einer Travelcard für die Zonen 1 und 2 aus, denn dort liegen fast alle bekannten Sehenswürdigkeiten, von Buckingham Palace über Camden Market bis zur Tower Bridge. Wer weiter hinaus möchte, etwa zu Kew Gardens, zum Wimbledon-Gelände oder zum London City Airport, braucht eine Travelcard für Zone 3, und für Wembley Stadium oder Harrow reicht meist eine Karte bis Zone 4.
Die Travelcard gibt es in verschiedenen Laufzeiten: als Ein-Tages-Ticket, als Wochenkarte, als Monatskarte und sogar als Jahreskarte für alle, die regelmäßig in London unterwegs sind. Ein Ein-Tages-Ticket für die Zonen 1 bis 4 kostet aktuell rund 15,20 Pfund, eine Wochenkarte für die Zonen 1 und 2 liegt bei etwa 44,70 Pfund, und eine Monatskarte für dieselben Zonen kostet rund 171,70 Pfund. Die genauen Preise ändern sich gelegentlich, weshalb sich ein kurzer Blick auf die Webseite von Transport for London vor der Reise immer lohnt.




Wo und wie du die Travelcard kaufst
Am einfachsten kaufst du die Travelcard direkt bei der Ankunft: an den Fahrkartenautomaten in jeder U-Bahn-Station, an den Ticketschaltern der Überlandbahnhöfe oder an den offiziellen Visitor Centres, die du unter anderem am Bahnhof Victoria, am Kings Cross/St Pancras International, an den Terminals 2 und 3 des Flughafens Heathrow, am Bahnhof Liverpool Street und am Piccadilly Circus findest. Wenn du eine Wochen- oder Monatskarte kaufst, wird sie meist auf eine Oyster-Karte geladen, für die einmalig eine Gebühr von etwa 10 Pfund anfällt, die du dir bei Rückgabe der Karte am Ende deiner Reise aber teilweise zurückerstatten lassen kannst. Das Ein-Tages-Ticket bekommst du dagegen meist als klassisches Papierticket, das du an den Sperren einfach einlesen lässt oder dem Busfahrer beim Einsteigen zeigst.
Travelcard oder Oyster-Karte: Was lohnt sich wirklich?
Hier kommt der Teil, der viele Reisende überrascht: Für kurze Aufenthalte ist die klassische Ein-Tages-Travelcard fast nie die günstigste Option. London hat nämlich ein System aus täglichen Preisobergrenzen, das sogenannte Daily Cap, das automatisch greift, wenn du mit einer Oyster-Karte oder direkt mit deiner kontaktlosen Kredit- oder Debitkarte bezahlst. Für die Zonen 1 und 2 liegt diese Tagesobergrenze aktuell bei rund 8,90 Pfund, also deutlich unter dem Preis eines Ein-Tages-Tickets. Das bedeutet: Du steigst einfach in Bus, Bahn oder U-Bahn ein, hältst deine Karte an den gelben Leser, und sobald du an einem Tag den Höchstbetrag erreicht hast, sind alle weiteren Fahrten an diesem Tag automatisch kostenlos.
Anders sieht es bei längeren Aufenthalten aus. Bleibst du sechs oder sieben Tage in London und bist täglich mehrfach unterwegs, wird die Wochen-Travelcard für die Zonen 1 und 2 zur günstigsten Variante, vor allem wenn du regelmäßig zwischen mehreren Zonen pendelst. Für Familien mit Kindern lohnt sich zusätzlich ein Blick auf die Kinderermäßigungen: Kinder unter 11 Jahren fahren in Begleitung eines zahlenden Erwachsenen komplett kostenlos mit, und für 11- bis 15-Jährige gibt es über eine spezielle Oyster-Karte ermäßigte Tarife.
Meine ehrliche Empfehlung: Wenn du nur ein paar Tage bleibst, fährst du mit einer kontaktlosen Kredit- oder Debitkarte fast immer am günstigsten und bequemsten, weil das Daily Cap automatisch für dich rechnet und du dich um nichts kümmern musst. Erst ab einer Woche Aufenthalt mit intensiver Nutzung lohnt sich die klassische Wochen-Travelcard wirklich.
Was die Travelcard sonst noch alles kann
Neben U-Bahn, Bus und Überlandbahn gilt die Travelcard auch für die Straßenbahnen im Süden Londons, allerdings nur in Zone 3 und weiter draußen, etwa in Richtung Croydon, Beckenham und Wimbledon, denn im eigentlichen Stadtzentrum gibt es keine Trams. Zusätzlich bekommst du mit vielen Travelcards einen Rabatt von einem Drittel auf die Uber Boat by Thames Clippers, die Themse-Fähren, mit denen du zum Beispiel entspannt vom London Eye zur Tower Bridge schippern kannst, während du die Skyline der Stadt vom Wasser aus bewundern darfst. Wenn du deine Reise über einen Bahnhof außerhalb Londons antrittst, etwa mit einem klassischen Papier-Ticket von National Rail, ist häufig sogar die Hin- und Rückfahrt in die Stadt bereits inklusive.
Wer nur mit dem Bus durch die Stadt bummeln möchte, etwa um vom Verkehrsstress der U-Bahn wegzukommen und dabei gleich noch etwas von London zu sehen, zahlt aktuell rund 5,25 Pfund pro Tag beziehungsweise 24,70 Pfund pro Woche für ein reines Bus-Ticket, was gerade für gemütliche Erkundungstouren durch die Stadtviertel eine unterschätzte Option ist.
Meine praktischen Tipps für deine Reise
Überlege dir vor der Reise, wie intensiv du London wirklich erkunden möchtest. Wer jeden Tag mehrere U-Bahn-Fahrten quer durch die Zonen plant, ist mit der Wochen-Travelcard gut beraten, während spontane Städtetrips fast immer günstiger mit kontaktloser Zahlung funktionieren. Behalte dabei im Kopf, dass zwei Personen sich niemals eine einzige Travelcard oder Oyster-Karte teilen dürfen, jeder braucht sein eigenes Ticket. Wenn du mit einer größeren Gruppe von mindestens zehn Personen unterwegs bist, lohnt sich außerdem ein Blick auf die Group Day Travelcard, bei der der Preis pro Person spürbar sinkt. Und ganz gleich, für welche Variante du dich entscheidest: Halte deine Karte beim Ein- und Aussteigen immer sauber an den Leser, sowohl beim Betreten als auch beim Verlassen der Station, sonst kann es passieren, dass ein zu hoher Betrag abgebucht wird.
Warum sich das Ganze lohnt
So kompliziert das Londoner Zonensystem auf den ersten Blick wirken mag, so entspannt wird die Fortbewegung, sobald du einmal verstanden hast, welches Ticket zu deiner Reise passt. Statt an jedem Bahnhof neu zu überlegen, wie du zur nächsten Sehenswürdigkeit kommst, steigst du einfach ein und lässt dich durch die Stadt tragen, vom Frühstück in Notting Hill über einen Spaziergang durch den Hyde Park bis zum Abendessen in Shoreditch. Genau diese Freiheit, London ohne Stress und ohne ständiges Ticketkaufen zu entdecken, macht am Ende den entscheidenden Unterschied zwischen einer hektischen Städtereise und einem Urlaub, an den du dich gerne zurückerinnerst.