Tanz auf Eis – Die Frost Fairs von London

Was waren diese Frostfairs?

Wer heute an einem kalten Wintertag am Ufer der Themse steht, kann sich kaum vorstellen, dass hier früher ganze Jahrmärkte auf dem Eis stattfanden. Zwischen dem 16. und dem frühen 19. Jahrhundert fror der große Fluss mehrfach komplett zu – und London verwandelte sich in eine winterliche Bühne. Menschen bauten Buden auf, verkauften Essen, tranken Gin und Punsch, druckten sogar Erinnerungszettel direkt auf dem Eis. Diese legendären Ereignisse gingen als „Frost Fairs“ in die Geschichte ein.

Die wohl berühmteste fand im Winter 1683/84 statt. Wochenlang herrschte eisige Kälte. Die Themse war so fest zugefroren, dass man zwischen den Brücken spazieren konnte. Händler rollten Wagen auf das Eis, Künstler stellten ihre Werke aus, Gaukler unterhielten die Menge. Selbst Elefanten sollen über den gefrorenen Fluss geführt worden sein. London feierte mitten im Winter ein Volksfest, das seinesgleichen suchte.

Die letzte dieser großen Fairs fand 1814 statt. Danach hörten die richtigen Frostfairs faktisch auf.

Warum gibt es heute keine Frostfairs mehr auf der Themse?

Hier sind die Gründe:
  • Die klimatischen Verhältnisse haben sich verändert: Der Zeitraum der sogenannten Little Ice Age führte zu häufigeren und stärkeren Frösten zwischen dem 14. und 19. Jahrhundert. Seitdem wurden solche Extremfrostlagen selten.
  • Technische Veränderungen im Flusslauf: Die alte Old London Bridge mit vielen schmalen Bögen bremste den Fluss stark, ließ das Wasser langsamer fließen und erleichterte so das Zufrieren. Ab 1831 wurde eine neue Brücke mit breiteren Bögen gebaut, der Fluss fließt heute schneller – Eisbildung wird dadurch deutlich erschwerten.
  • Fluss‑ und Uferregulierungen: Die Themse wurde in den Jahrhunderten ausgebaggert, Ufer wurden befestigt und der Verlauf verändert. Dadurch ist das Rückstauen und Zufrieren wenig wahrscheinlich.

Heute erinnern nur noch wenige Orte und Exponate an diese Feste. Im Museum of London kannst du originale Drucke sehen, die auf dem Eis hergestellt wurden – kleine Blätter, auf denen Besucher ihren Namen verewigten, als Beweis, dass sie über den gefrorenen Fluss gegangen waren. Auch Gemälde aus jener Zeit zeigen die Szenerie: Zelte, Schlitten, Feuerstellen, Fahnen, Musikanten, Kinder mit Schlittschuhen. Wenn du an der Blackfriars Bridge oder nahe der Southwark Bridge stehst, blickst du auf denselben Abschnitt, auf dem sich diese Volksfeste abspielten.

Wenn du dich intensiver mit dem Thema beschäftigen willst, plane einen Besuch im Museum of London oder in der Guildhall Art Gallery. Beide zeigen Bilder und Dokumente aus jener Zeit. Im Winter lohnt sich auch ein Spaziergang bei Frost entlang der Themse – die Luft ist klar, das Licht besonders, und du erkennst, warum dieser Fluss so eng mit der Geschichte Londons verwoben ist.

Die Frost Fairs sind vorbei, aber sie haben Spuren hinterlassen. Sie erzählen vom Einfallsreichtum und Lebensmut der Londoner, die selbst in eisigen Zeiten Wege fanden, Freude zu feiern. Und sie erinnern daran, dass selbst ein Fluss, der fast nie gefriert, für kurze Zeit die Bühne einer ganzen Stadt sein kann.

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